Segens-Tropfen

Yuliia
 hbr

Kaum waren die ersten Posaunenklänge ertönt, fielen Regentropfen. Unter Eichen auf einem Hof in Allenbostel versammelte sich die Gemeinde zum "Draußen-Gottesdienst". Mit dabei waren der Posaunenchor in überregionaler Besetzung, eine Gruppe Kirchenvorsteher aus Rahde, die im MZ gerade ein Seminar machten und viele Gemeindeglieder aus Hanstedt und Umgebung. Konnten Blätter und Äste die Regentropfen zunächst noch etwas bremsen - später waren dann nicht nur die Noten, Blasinstrumente samt Bläser nass, sondern auch alle anderen, die keinen Schirm hatten. Pastor Wolfhardt Knigge verstand es, der Situation noch Gutes abzugewinnen: Jeder Tropfen ist ein Zeichen der Liebe Gottes.

Worum es hier geht: Eben diese Liebe hat ein Mitglied aus der Hausgemeinde während ihrer Zeit in Hanstedt ganz besonders erlebt. Yuliia Perepelka aus der Ukraine ist zur evangelischen Kirche konvertiert und wurde in diesem Segens- und Regengottesdienst begrüßt. 

Yuliia hat der Gemeinde von sich erzählt. Sie ist katholisch aufgewachsen, hat aber nie eine große Nähe zur Kirche und zum Glauben entwickelt. Dies ist erst jetzt geschehen. Sie hat den Glauben als entlastend und befreiend erlebt und sich mit ihrer Konversion nun jener Gemeinde angeschlossen, wo sie dieses Geschenk Gottes empfangen und erlebt hat.

… aus der Ukraine nach Deutschland

Lesen Sie hier einen Auszug aus den FMD-Impulsen 143, wo Yuliia einige Fragen beantwortet:

"Das Leben in Deutschland ist völlig anders als in der Ukraine. Diese Welt hier ist größer, weißer und schöner. Die Mentalität gefällt mir, weil die Leute freundlicher sind. Auch planen sie und strukturieren. Inzwischen mache ich es auch schon wie sie. Gewöhnen musste ich mich an alles. Von Pfandflaschen, Mülltrennung hatte ich nie gehört. Alles ist hier sicherer, man denkt an Gesundheit, sieht Fahrradfahrer. Nur: Das Wetter ist richtig schlecht! Bei uns ist es jetzt wunderbare 35° oder 40° C."

Auf die Frage nach einem Kulturschock: "Naja, die Leute putzen sich manchmal laut wie ein Elefant die Nase. Das wäre bei uns total unhöflich (sie lacht). Das Essen. Bei uns gibt es nicht nur einmal, sondern zwei oder sogar dreimal am Tag warmes Essen. Am Anfang habe ich die Automaten am Bahnhof mit meiner Kreditkarte nicht bedienen können. Mir hat dann jemand eine Karte gekauft und sie mir geschenkt. So etwas würde bei uns in der Ukraine nicht passieren. Die Leute hier in Deutschland sind viel freundlicher. Ich mag Deutschland total gerne - aber keine Rose ohne Dornen. Ich bin kein EU-Bürger. So ist es schwer, eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Ja, ich verstehe es, weil unsere Leute aus dem Osten eine andere Mentalität haben und dafür ist Europa noch nicht bereit. Für mich finde ich es schlecht. Naja, und dann habe ich hier schlechte Erfahrung mit Ärzten gemacht. Man kriegt keine nahen Termine und mein Arzt war nicht gerade kompetent."

Ob sie in Deutschland etwas gelernt hat? "Die Sprache hätte ich auch bei guten Lehrern an der Uni nicht gelernt. Man lernt eine Sprache natürlich viel besser im entsprechenden Land. Ich war hier zuerst als Au-Pair in einer richtig tollen Familie. Dort habe ich ihnen abgeschaut, wie alles funktioniert und wie man seine Dinge plant. Erst in Deutschland habe ich gelernt, mich zu entspannen. Die Ukrainer denken nur an Arbeit und sind dauernd aktiv - hier habe ich gelernt, mir Zeit für mich zu nehmen. Auch Freundlichkeit, z.B. jemand auf der Straße anlächeln, habe ich erst in Deutschland gelernt."

Und wie ist es mit dem Glauben? "Wir im Osten waren lange Zeit Atheisten. Davon ist noch viel zu merken. Wenn Glaube da ist, wird er nicht offen gezeigt. Es gibt vor allem orthodoxe Christen, dann natürlich auch einzelne katholische und evangelische Gemeinden. Man hat immer noch irgendwie Angst, seinen Glauben offen zu zeigen. In Deutschland spielt der Glaube eine größere Rolle und man macht ihn öffentlich. Ich selbst bin katholisch, überlege nun aber, evangelisch zu werden. Mein Glaube ist hier viel freier und fröhlicher geworden."

RegenGoDi
hbr 

12.Juli - Segens-Tropfen im Gottesdienst Allenbostel