Da fehlt doch was …?

Nachricht 20. Dezember 2014
Krippe_ohne_Kind
hbr 

Fröhliche Weihnachten!

So wünschen auch wir es Ihnen und Euch.
Es ist wie immer: Die Krippe ist aufgebaut.
Maria und Joseph, die Hirten mit ihren Schafen, Ochs und Esel, Engel ...
Ja, fehlt da nicht etwas?
Wir feiern wie immer und hätten es beinahe nicht gemerkt. Jesus fehlt.

Auf dem Bild ist die Altartafel in St.Peter Ording abgebildet.
Das Jesuskind wurde gestohlen. Ein schöner Text begleitet das Foto:

Gott ist nahe, wo er fehlt.
Geheimnis der Weihnacht, du Mann aus Nazareth, ganz nah bist du allen,
die dich in dieser goldenen Geschichte suchen und nicht mehr finden können, ganz nah bist du allen, die sich mühen mit den Fehlanzeigen und Defiziten ihres Lebens.
Immer bist du dort nahe, wo du am Fernsten scheinst!

Ich finde, das ist ein schöner Gedanke:
Gott ist jenen nahe, die ihn (vergeblich) suchen – aber auch jenen, die noch gar nicht bemerkt haben, dass ihnen etwas fehlt. Und jene, die den weihnachtlichen und kirchlichen Trubel mitmachen und möglicherweise irgendwann erschüttert feststellen, dass sie Jesus trotz (oder gerade wegen) all dem religiösen Betrieb verloren haben, dürfen wissen:
Er war, ist und bleibt euch nahe!

Ein schöner – und möglicherweise auch irritierender Gedanke.
Ja, vielleicht wurde er gestohlen. Wir sind Teil einer säkularen Gesellschaft, in der Jesus keine Rolle spielt. Das färbt ab, macht Weihnachten auch für uns zum Fest der Familie, des Schenkens, des Friedens und der Nächstenliebe. Und manchmal ist Jesus dann, mitten im oft gut gemeinten Weihnachtstrubel, nicht mehr zu finden ...

Oder sorgen weder wir, noch irgendwelche säkularen Jesusdiebe dafür, dass die Krippe leer ist?
Hat möglicherweise Jesus selbst die Weihnachtskrippe verlassen?
Es würde zu ihm passen. Mit 12 Jahren lag er nicht mehr in der Krippe, sondern man fand ihn im Tempel. Auch den verließ er und zog als einer von uns durchs Land. Man fand ihn besonders an der Seite der Armen, Zweifelnden und Suchenden. Als sie ihm auf dem Berg der Verklärung Hütten bauen wollten, war er dort oben längst nicht mehr zu finden. Er war unterwegs nach Golgatha. Immer wieder verließ Jesus die Orte und Situationen, wo man ihm einst begegnet war. Ob das bis heute so geht?

Ob Weihnachten, unsere Kirchen, Gemeinden und Gottesdienste auch nicht mehr die (einzige) Krippe sind, in der man Jesus findet?
Ob es noch ganz andere Orte und Situationen gibt, wo Jesus ‚drin ist’?
„Der Herr ist nahe!“ sagt Paulus.
Gerne würden wir uns in 2015 zusammen mit Ihnen auf den Weg machen, um zu entdecken, wo heute die Krippe steht, in der Jesus liegt.
Ich glaube, wir werden uns wundern, wo überall wir ihn finden!
Und dann wird es Weihnachten, ob nun mit oder ohne der vertrauten Krippendarstellung.
 

Im Namen aller Mitarbeitenden, Ihr Hermann Brünjes

Freuet Euch in dem Herrn allewege!

Und abermals sage ich Euch:

Freuet Euch!

Der Herr ist nahe!

 
(Wochenspruch der Weihnachtswoche aus Phil. 4,4-5) 
 
Das Foto mit der Krippendarsstellung aus St.Peter Ording wurde uns von Landessuperintendent Rathing zur Verfügung gestellt. Danke!
Es ist die Abbildung eines Plakates (57x57 cm.), erschienen bei A.Beyer. Erhältlich sind die Plakate in der Beratungsstelle für Werbung in Kirchengemeinden, Alt-Wittenau 30, 1000 Berlin 26.
 
Die Betrachtung mit den Überlegungen zur fehlenden Jesus-Figur hat Hermann Brünjes anlässlich des Freundeskreistreffens der Hausgemeinde während der Abendmahls- und Segnungsandacht am 20.12. als Predigt gehalten. Der Text ist eine kurze Zusammenfassung ...